Cornelia Stephanie Wiederkehr

Auf einen Kaffee mit: Cornelia Stephanie Wiederkehr

Cornelia, was ist zurzeit dein Job und wie bist du in dieser Position gelandet?

Ich leite beim Migros-Genossenschafts-Bund die Programmführung für das Kundenbindungsprogramm Cumulus. Mein Team und ich sind verantwortlich für alle nationalen Aktivitäten: Kommunikation, Angebote und Kooperationen, welche nicht auf personalisierten Massnahmen basieren. Wir machen möglich, dass unsere Kunden Cumulus-Punkte sammeln und blaue Bons bei verschiedensten Migros-Unternehmen oder Partnern einlösen können. Ausserdem kümmern wir uns um die verschiedenen Freizeit-Initiativen und um Themen wie beispielsweise den Datenschutz.

Mein Berufsleben hat jedoch in der Marketing- und Kommunikationsbranche begonnen. Ich habe in einer Agentur gearbeitet und dann später in den Produktmanagement-Bereich einer grösseren internationalen Firma gewechselt. Speziell durch mein Studium bin ich mit dem Thema Kundenbindung in Kontakt geraten und habe es von Beginn weg spannend gefunden. Bei einem weiteren Arbeitgeber durfte ich anschliessend ein Kundenbindungsprogramm konzipieren und einführen. Danach wollte ich mich weiterhin um professionelle Kundenbindung kümmern, wofür Migros Cumulus eine sehr attraktive Möglichkeit war. Ich habe mich als Projektleiterin beworben und durfte nach rund eineinhalb Jahren die Programmführung übernehmen.

Cornelia Stephanie Wiederkehr
Cornelia Stephanie Wiederkehr

Wie würdest du deinen Führungsstil bezeichnen?

Ohne auf Fachbegriffe zurückgreifen zu müssen: Mir ist es sehr wichtig, dass meine Mitarbeiter wissen, wohin unsere Reise geht und was das gemeinsame Ziel ist. Ich gebe meinen Mitarbeitern sehr gerne das Recht, diese Reise selbstständig zu gestalten. Ich bin nicht eine Vorgesetzte, welche meine Mitarbeiter dauernd kontrollieren möchte. Gleichzeitig erwarte ich aber auch eine gewisse Selbstständigkeit von meinen Mitarbeitenden: Sie sollen selbst Ideen entwickeln und einbringen können. Das ist mir sehr wichtig.

Was bedeutet Leadership für dich?

In meiner Tätigkeit finde ich das Führen einer der spannendsten Aspekte, weil man für die eigene Person am meisten lernt. Selbstverständlich gibt es laufend fachliche Herausforderungen zu meistern, aber man lernt selten mehr über sich selbst, als dies als Führungsperson der Fall ist. Dabei kann man auch weniger erfreuliche Seiten an sich entdecken, denn das eigene Verhalten wird direkt gespiegelt. Ich schätze es aber sehr, dass man sich als Person durch eine Führungsaufgabe enorm weiterentwickeln kann.

Siehst du dich eher als introvertierte oder extrovertierte Persönlichkeit? Und wie denkst du, dass das deine Rolle beeinflusst?

Ich würde mich weder als extrovertiert noch introvertiert bezeichnen. Ich sehe mich nicht als die Person, welche dauernd im Mittelpunkt stehen muss oder immer am lautesten spricht. Trotzdem mag ich die Interaktion mit Mitarbeitenden sehr und habe dadurch sicherlich eine gewisse Extrovertiertheit in mir. Als Führungsperson gibt es zudem gewisse Rollen, welche man übernehmen muss, um das Team hinter sich zu bringen und anzuführen.
Grundsätzlich finde ich, dass authentisches Verhalten am erfolgreichsten ist. Ein extrovertierter Charakter soll sich in einem Führungsstil widerspiegeln. Das gleiche gilt für einen introvertierten Charakter wobei sich diese Personen allenfalls das eine oder andere Mal etwas mehr öffnen müssen als Führungspersonen.

Magst du dich an einen Moment in deiner Karriere erinnern, welcher dir gezeigt hat, dass du ein Leader bist oder sein kannst?

Ich mag es grundsätzlich sehr, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Wäre ich aber nach meinen beruflichen Zielen gefragt worden, hätte ich vermutlich nie geantwortet, dass ich unbedingt einmal ein Team führen möchte. Ich schliesse auch nicht aus, dass ich in meinem zukünftigen Berufsleben allenfalls wieder einmal in einer Position ohne Führungsaufgabe landen werde.
Zurück zur Frage: Für mich gibt es diesen Moment in meiner Karriere nicht. In der Vergangenheit war es oft so, dass ich mich für einen Job entschieden habe, weil mich etwas daran speziell gereizt hat. Ohnehin beinhaltet für mich ein Job immer verschiedenste Komponenten und eine davon kann das Führen sein.

Wie stellst du sicher, dass du als junge Führungspersönlichkeit akzeptiert wirst gegenüber älteren Mitarbeitern oder Unterstellten?

Ich überlege mir solche Situationen nicht im Speziellen und eigne mir dafür auch kein konkretes Verhalten an. Ich vermute, dass ich aufgrund meines Wissens und meiner Fähigkeiten akzeptiert werde. Ausserdem denke ich, dass man seine Akzeptanz und die Sympathie in einem Team auch erhöhen kann, indem man richtig auf sein Gegenüber reagiert und laufend Unterstützung anbietet. In meinem Team gibt es Mitarbeiter, welche älter sind. Ich versuche täglich, einen guten Umgang mit all meinen Mitarbeitern zu haben, was bisher zufriedenstellend funktioniert hat. Ich denke aber auch, dass das immer von beiden Seiten abhängig ist.

Gerade visionäre oder ambitionierte Leader sind mit Phasen konfrontiert, während denen sie sich allenfalls alleine fühlen. Dies kann passieren, weil beispielsweise einige Herausforderungen alleine gelöst werden müssen, bevor das Team involviert werden kann. Ein anderer Grund dafür ist oft, dass man wegen mangelnder Zeit nur schwierig zu genügend sozialer Interaktion kommt. Wie gehst du mit solchen einsamen Momenten um?

Ich lasse mich gerne von Ideen begeistern, seien es meine eigenen oder auch Ideen anderer Mitarbeiter. Es ist sicherlich eine Gefahr, dass ich in euphorischen Momenten von Mitarbeitern zu viel verlange und allenfalls überfordere. Es ist aber auch so, dass die Strukturen von meinem Arbeitgeber in solchen Fällen auch eine Unterstützung bieten. Oftmals gilt es, die Ansprüche von vielen Beteiligten zu erfüllen.
Mit Herzblut und Begeisterung eine Sache oder ein Thema zu vertreten, erachte ich als extrem positiv. Ein gewisses  Kontrollieren der eigenen Begeisterung im Berufsalltag ist jedoch hilfreich und sehe ich aber ohnehin als eine Fähigkeit, welche man sich mit den Berufsjahren aneignet. Tritt man seine erste Arbeitsstelle nach dem Studium an, resigniert man vermutlich schneller und hat weniger Geduld, wenn die eigene Idee nicht gleich beim ersten Versuch erfolgreich angewendet wird. Mit den Jahren gewinnt man aber an Erfahrung und merkt, dass ein Fortschritt nicht nur auf direktem Weg erreicht werden kann. Im Übrigen bin ich überzeugt, dass man viel mehr Erfolg hat, wenn man Mitarbeiter öfter und früher in Diskussionen mit einbezieht, anstatt ihnen etwas zu diktieren.

Welches sind deine Vorbilder und was inspiriert dich an ihnen besonders?

Es gibt nicht das eine Vorbild für mich. Trotzdem ist es immer spannend, über andere Menschen und ihre Erfahrungen zu lesen. Ausserdem habe ich mich in der Vergangenheit auch gerne von meinen Vorgesetzten inspirieren lassen. Ich konnte jeweils durch die Zusammenarbeit profitieren und andererseits habe ich auch immer wieder hilfreiche Ratschläge erhalten.
Generell ist für mich die Zusammenarbeit mit anderen Menschen immer wieder eine Inspirationsquelle. Es gibt immer wieder Situationen, wo ich durch die Reaktion eines Gegenübers oder eine Meinungsäusserung in einer Sitzung mit meinen Gedanken oder als Person weitergebracht werde.

Findest du, dass Unternehmen junge Leader gut genug unterstützen oder siehst du Nachholbedarf?

Ich persönlich habe immer sehr gute Förderung erhalten. Selbstverständlich ist auch immer wieder ein Thema, dass Frauen eher benachteiligt sind, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht. Trotzdem kann ich rückblickend oder auf mich bezogen sagen, dass ich diese Förderung als sehr positiv wahrgenommen habe.
Generell finde ich, dass die Förderung von Mitarbeitern bei meinem Arbeitgeber Migros gelungen ist. Wenn man aber bei uns signalisiert, dass man bereit ist, mehr Verantwortung zu übernehmen, dann stehen die Chancen sehr gut, dass man bei einer Möglichkeit auch berücksichtigt wird.
Zur Frage, ob es Nachholbedarf gibt in Schweizer Unternehmen bezüglich Unterstützung junger Leader: Es ist für mich schwierig, aus meiner Position eine Verallgemeinerung zu machen. Es gibt aber definitiv Branchen oder Firmen, in denen es um einiges schwieriger ist, als Frau oder generell als junge, ambitionierte Persönlichkeit genug Förderung zu erhalten.

Wenn du eine Mentorin einer jungen, ambitionierten Person wärst: Welchen Ratschlag würdest du dieser Person mitgeben?

Das Wichtigste ist für mich, dass man eine gewisse Neugier für die Sache entwickelt. Das würde ich auch als meinen persönlichen Antrieb bezeichnen. Man sollte interessiert sein an neuen Themen, herausfordernden Aufgaben oder unbekannten Branchen. Auch wenn man etwas zum ersten Mal tut sollte man keine Angst davor haben, etwas zu tun, zu dem man gar nicht befähigt ist. Es hilft sehr, sich in die neue Aufgabe hineinzugeben und das Beste zu versuchen. Es gibt ausserdem auch nicht nur einen einzigen Weg zum Ziel. Ein Weg mit Kurven macht die Aufgabe umso spannender, denn genau in solchen Momenten macht man die wichtigsten Erfahrungen. Man sollte natürlich auch über die gemachten Erfahrungen reflektieren, wenn der richtige Zeitpunkt da ist. Doch ich würde jedem jungen Menschen empfehlen, sich nicht nur auf Aufgaben einzulassen, welche man schon vollkommen beherrscht.

Was sind die Top 3 Einträge auf deiner Bucket List?

Erst kürzlich wurde ich gefragt, was ich mit einer gewonnenen Million Schweizer Franken tun würde. Meine Antwort ist nicht aufregend: Ich würde gar nicht viel ändern. Ich habe das Privileg, das zu tun, was ich möchte. Wenn ich beispielsweise reisen möchte, kann ich das planen und machen. Ausserdem hatte ich bereits die Möglichkeit, im Ausland zu studieren und generell besuche ich gerne andere Länder.
In der Vergangenheit hatte ich immer den Wunsch, einmal für eine gewisse Zeit ausserhalb der Schweiz arbeiten zu können. Dieser Plan ist nicht mehr zuvorderst auf meiner Liste, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich das im Zusammenhang mit einer späteren Herausforderung trotzdem ergeben könnte. Und einmal das Matterhorn zu besteigen, das wär was! Grundsätzlich bin ich aber sehr zufrieden, mit dem was ich habe.

 


Zur Person

Cornelia Stephanie Wiederkehr ist im Raum Sursee aufgewachsen. Sie hat einen Abschluss als Marketing- und Kommunikationsplanerin und hat berufsbegleitend Kommunikation an der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ studiert. Seit rund zwei Jahren leitet Cornelia Wiederkehr das Cumulus-Kundenbindungsprogramm beim Migros-Genossenschafts-Bund. Sie ist ausserdem eine von zehn Mentorinnen, welche im Rahmen der Initiative #Frauenarbeit junge Frauen dabei unterstützen, schneller und erfolgreicher im Beruf starten zu können.